Die Konsumgeschichte hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem vielfältigen und aus kulturgeschichtlicher Perspektive sehr ergiebigen Forschungsgebiet entwickelt. Zunehmend wird dabei das Potential sogenannter „Ego-Dokumente“ erkannt und genutzt: In Selbstzeugnissen wie Tagebüchern, Briefen oder autobiographischen Texten kommen die Konsument_innen selbst zu Wort; sie ermöglichen Einblicke in die Selbstwahrnehmung und Weltdeutung, in die Sinnzuschreibungen und Gefühlswelten von Individuen. Daran lassen sich zentrale Fragen der Konsumgeschichte anschließen: Welche subjektiven „Traumwelten“ werden mit spezifischen Konsumpraktiken verbunden? Was ist eigentlich ein_e Konsument_in – und wie wird man dazu (gemacht)? Welche Sinnstiftungs- und Verhaltensstrategien eröffnen sich der/ dem Einzelnen im Spannungsfeld zwischen Fremdbestimmung und Selbstermächtigung?

Das Seminar verfolgt zwei Ziele: Zum einen dient es als Einführung in aktuelle Themenfelder und Diskussionen der Konsumgeschichte. Beginnend im 19. Jahrhundert und bis in die jüngere Zeitgeschichte hinein werden zentrale Entwicklungen, Verschiebungen und thematische Konjunkturen auf dem Weg zur modernen Konsumgesellschaft herausgearbeitet. Der zweite Schwerpunkt liegt auf der Auseinandersetzung mit Ego-Dokumenten als historischer Quelle: Anhand unterschiedlicher Textsorten, die sich unter diesem Begriff fassen lassen, werden wir erkunden, welche spezifischen Möglichkeiten, aber auch methodischen Schwierigkeiten und Grenzen diese Quellenart mit sich bringt, und den Umgang mit historischen Quellen in der Praxis erlernen und einüben.

Semester: WT 2018/19