Essen verkörpert eine sowohl physiologisch notwendige als auch kulturell kontingente Praxis. Als solche ist sie eingebunden in historisch wandelbare Macht/Wissensordnungen, die das Essen immer auch zu einem mit vielfältigen Bedeutungen ausgestatteten symbolischen Akt werden lassen. Zudem stellt die Körperpraxis „essen“ einen hochgradig lustvollen und „sinnlichen“ Akt dar. Nicht nur das Riechen und Schmecken, sondern auch das Anschauen der Nahrung strukturiert die Erfahrung der Essensaufnahme. Analog dazu ist auch das Verhältnis zwischen Film und Zuschauer_innen durch vielfältige Affizierungsprozesse – insbesondere die Schaulust – organisiert. Diese grundsätzliche Bedeutung von Affektstrukturen macht das Medium Film zu einem privilegierten Ort für die Analyse der kulturellen Praxis „essen“. Basierend auf einer gemeinsamen Sichtung ausgewählter Spiel- und Dokumentarfilme werden die neue Kulturtechnik des Spaghettiessens in der frühen Bundesrepublik sowie die Bedeutung von Essen für die Krankheitsprävention in der DDR untersucht. Des Weiteren wird es nicht nur um „Das große Fressen“ im Frankreich der Post-68er-Phase gehen, sondern auch um Quentin Tarantinos „Big Kahuna Burger“. Das Seminar bietet den Studierenden die Gelegenheit, sowohl die theoretischen Grundlagen des kulturgeschichtlichen Umgangs mit Filmen als Quelle zu erlernen, als auch das methodische Vorgehen einer historisch kontextualisierenden Filmanalyse einzuüben.

Semester: WT 2015/16