Im Zuge der Eroberungen Alexanders des Großen breitete sich die griechische Kultur über große Bereiche der östlichen Mittelmeerwelt aus. Zugleich nahm sie auch Elemente der Kulturen eroberter Gebiete in sich auf. Diese wechselseitigen Einflüsse führten in allen Bereichen des Kunstschaffens, so auch in der Architektur, zu zahlreichen Neuerungen. Eine Neuerung der hellenistischen Architektur ist, dass sie Bezug auf die umliegende Landschaft nahm. Dies lässt sich z.B. an der gezielt exponierten Lage von Terrassenheiligtümern nachvollziehen. Aus den sich differenzierenden funktionalen Bedürfnissen der griechischen Gesellschaft entwickelten sich darüber hinaus neue Gebäudetypen, so wie beispielsweise die Basileia und Bouleuteria. In der Bauornamentik wurde das Formenrepertoire u.a. mit der Entwicklung des Rankenfrieses und des korinthischen Kapitells erweitert. Neben dem Wandel in Lage, Struktur und Aussehen einzelner Bauten veränderte sich auch die Gestaltung des städtischen Raumes. Hier erfolgte eine funktionale Differenzierung, die u.a. durch die Einfassung von Platzanlagen mit Säulenhallen baulich gekennzeichnet ist. Die Neuerungen innerhalb der hellenistischen Architektur wurden nicht nur durch die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und das dadurch entstandene Bedürfnis privater Bauherren nach Repräsentation gefördert. Wesentliche Voraussetzungen waren auch die gleichzeitigen Errungenschaften im Bereich der Bautechnik, wie beispielsweise der Einsatz des Keilsteinbogens in Substruktionsbauten.

In der Übung werden die Grundlagen für die Beschreibung, Analyse und Interpretation hellenistischer Architektur vermittelt. Die Studierenden eignen sich zunächst Grundwissen über die allgemeine Architekturterminologie, sowie über die Bautechnik, Bauorganisation, Bautypen und den Städtebau im Hellenismus an. Darauf aufbauend erarbeiten sie sich einen Überblick über die wichtigsten architektonischen Vertreter dieser Epoche und lernen dabei die wesentlichen Entwicklungen vom Tod Alexanders des Großen 323 v. Chr. bis zum Untergang des Ptolemäerreiches 30 v. Chr. Im fortgeschrittenen Semester beschreiben und analysieren sie eigenständig Bauwerke und diskutieren zentrale Fragestellungen der aktuellen Forschung.

Semester: WiSe 2020/21