In Forschung und Gesellschaft wird seit dem 19. Jahrhundert der Einfluss diskutiert, den Schulgebäude und Lernwerkstätten auf das Lehren und Lernen haben. Dass sich Räume und Möbel, Farbgestaltung und Lichteinfall auf das Wohlbefinden von Schülerinnen und Schülern, von Lehrerinnen und Lehrern auswirken, ist heute unbestritten. Trotzdem wird dem „Raum als drittem Pädagogen“, wie es Loris Malaguzzi umschrieb, nur bedingt Rechnung getragen.
Im Seminar wird der Frage nachgegangen, welche pädagogischen Effekte die Gestaltung des Raums und die Architektur – entweder in absichtsvoll geschaffener oder in nicht intendierter Gestalt – auf das Lehren und Lernen haben können. Im Mittelpunkt des Interesses steht die Historizität des pädagogischen Raums, seine Veränderung im Prozess der Modernisierung der Gesellschaft und jene Faktoren, die bis heute Ordnungen und Arrangements des pädagogischen Raums kennzeichnen. Nach einer theoretischen Annäherung an den Begriff des pädagogischen Raums aus erziehungswissenschaftlicher und architektonischer Sicht werden Leipziger Beispiele des 19. und 20. Jahrhunderts sowie aktuelle Beispiele bearbeitet und diskutiert.