Der Sieg über Dareios III. machte Alexander den Großen 332 v. Chr. zum Herrscher über das zuvor dem Perserreich zugehörigen Ägypten. Das Land der Pharaonen wurde zum Einwandererland für Griechen und Makedonen. Die Veteranen in den neu angelegten Stadtgründungen brachten ihre griechisch geprägten Vorstellungen über Religion und Kunst mit nach Ägypten. Die Kulturbegegnungen zwischen den griechischen Einwanderern und der einheimischen Bevölkerung finden u.a. im Bereich der Kleinkunst, insbesondere der figürlichen Terrakotten ihren Ausdruck. Auch wenn man in Ägypten bereits seit Jahrhunderten mit der Herstellung von Terrakotten vertraut war, setzte ihre massenhafte Produktion erst unter griechischem Einfluss in hellenistischer Zeit ein. Die nun sehr zahlreich hergestellten graeco-ägyptischen Terrakotten wurden im Grab-, Wohn- und Heiligtumskontext verwendet. Im Zuge der Übersetzung der unbekannten ägyptischen Gottheiten mit den Namen griechischer Götter wurden neue Darstellungstypen, wie die der Isis-Aphrodite entwickelt. Die Erscheinungsform ägyptischer wie aber auch griechischer Darstellungstypen von Terrakotten veränderte sich.
Die Studierenden lernen innerhalb der Übung die Herstellungstechniken, die wichtigsten Produktionsorte und Fundkontexte graeco-ägyptischer Terrakotten kennen. Sie wenden die in der Veranstaltung erworbenen Kenntnisse zur Ikonographie und stilistischen Entwicklung an originalen Objekten an und setzen sich kritisch mit aktuellen Forschungsansätzen auseinander. Im Kontext der wissenschaftlichen Bestandserschließung lernen sie u.a. digitale 3 D Modelle von Terrakotten zu erstellen. In die Lehrveranstaltung integriert ist die Beschäftigung mit den Beständen graeco-ägyptischer Terrakotten im Antikenmuseum und im Ägyptischen Museum – Georg Steindorff – der Universität Leipzig sowie der Skulpturensammlung in Dresden.

Semester: WiSe 2022/23