Dozent:  Dr. Marie Müller-Zetzsche
Beginn:   Donnerstag, 16.10.2025
Uhrzeit:   11:15 - 12:45 Uhr
Ort:         Seminarraum S428

Inhalt:
Nach 1945 waren die faschistische und die nationalsozialistische Ideologie massiv diskreditiert. Die militärische und vor allem moralische Niederlage des Deutschen Reiches und seiner Verbündeten stellte einen Bruch dar. Ein großer Teil der früheren Anhänger des Nationalsozialismus distanzierte sich nun von Rassenantisemitismus, der „Volksgemeinschafts“-Idee und der Lebensraum-Ideologie. Andererseits war das Potential ethnozentrischer, militaristischer und auch antisemitischer Einstellungen immer noch da. Die Öffentlichkeit reflektierte kaum, wie solche Einstellungen mit der Ideologie des Nationalsozialismus zusammenhingen. Außerdem gab es weiterhin überzeugte Nationalsozialist*innen und Faschist*innen. Sie vernetzten sich untereinander, gründeten neue Parteien, Verlage, Zeitschriften und Vereine. Der noch junge Staat beobachtete diese Aktivitäten und verbot einige Organisationen. Ab den späten 1950er Jahren trat eine neue Generation auf den Plan, die keine biographische Verstrickung in den Nationalsozialismus mehr hatte - eine "neue Rechte" bildete sich in den 1960er und 1970er Jahren heraus. Sie orientierte sich sowohl an der alten Rechten, als auch - vor allem habituell - an ihren Altersgenossen in anderen politischen Lagern. Das Seminar geht der Frage nach, welchen Platz die rechtsradikalen Akteur*innen und ihre Ideologie in der Geschichte der Bundesrepublik einnehmen. Wir blicken auf zentrale Ereignisse, Zäsuren, Kontinuitäten, die schleppende Aufarbeitung des Nationalsozialismus und antikommunistische Allianzen. Dabei spielen auch transnationale Vergleiche, Geschlechtergeschichte und das Konzept der Generation eine Rolle.

Semester: WiSe 2025/26