Im Jahr 1933 entwickelte sich der Mittelmeerraum zu einem bedeutenden Zufluchtsort für jüdische und oppositionelle Wissenschaftler:innen, die vor der nationalsozialistischen Verfolgung flohen. Infolge des 1933 erlassenen „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ gerieten zahlreiche Akademiker:innen in den Malstrom nationalsozialistischer Repression. Im Ausland entstand eine Trias, die sich der globalen Vermittlung von flüchtenden Forscher:innen widmete: 1) Hilfsorganisationen wie die „Notgemeinschaft Deutscher Wissenschaftler im Ausland“, 2) Schlüsselfiguren wie Albert Einstein, Max Born und Salo W. Baron sowie 3) Universitäten, die Bedrohte oder Geflüchtete an Forschungseinrichtungen weltweit empfahlen, rekrutierten und vermittelten. Die Türkei entwickelte sich zu einem wichtigen Gastland sowie zu einem Dreh- und Angelpunkt der Vermittlung von bedrohten und flüchtenden Wissenschaflter:innen in Richtung Palästina und Ägypten.
Das Projektseminar richtet den Fokus auf den östlichen Mittelmeerraum als Ort der Zuflucht, der (akademischen) Solidarität und humanitären Hilfe. Anhand von Archivquellen und Egodokumenten werden wir transnationale und lokale Akteure der Fluchthilfe identifizieren, Fallbeispiele individueller Wege ins Exil nachzeichnen sowie den Aufbau, die Organisation und Verwaltung von Selbsthilfe rekonstruieren. Die Recherchen münden in eine szenische Lesung, die im Sommer 2026 in Leipzig aufgeführt werden soll.

Deshalb ist die Belegung des im Sommersemester 2026 folgenden zweiten Teils des Seminars wünschenswert, aber keine notwendige Voraussetzung für die Teilnahme.

Semester: WiSe 2025/26