Im wöchentlich stattfindenden Seminar beschäftigen wir uns mit der Sprengung der Universitätskirche St. Pauli am 30. Mai 1968. Dieses Ereignis markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Stadt Leipzig und der DDR. Sie war nicht nur ein Akt der Zerstörung eines architektonischen Wahrzeichens, sondern auch ein Symbol für die repressive Politik des SED-Regimes gegenüber Religion und Wissenschaft.
In der dazugehörigen Übung in Form von Blockveranstaltungen wird die Geschichte der Untersuchungshaftanstalt in Leipzig aus dem Seminar aufgegriffen und wir beleuchten die Geschichte der ehemaligen "Wächterburg" in ihrer Rolle als Haftanstalt des MfS in der DDR.
- Trainer/in: Katrin Gurt
Die sukzessive und oft gewaltsame Auflösung der globalen Kolonialreiche zählt zu den folgenschwersten Prozessen der jüngeren Geschichte, der sowohl von den Zeitgenossen als auch danach immer wieder vermittelt und gedeutet werden musste und dementsprechend intensiv diskutiert wurde. Zugleich fielen dieser politische Großprozess und die damit einhergehenden Debatten über das Selbstverständnis der postimperialen und postkolonialen Gesellschaften mit einem Wandel der Mediensysteme zusammen.
Vor diesem Hintergrund zielt das Seminar darauf, Ansätze und Ergebnisse der Dekolonisierungsforschung mit denen der Mediengeschichte zusammenzubringen. Darüber hinaus werden wir an ausgewählten Filmbeispielen diskutieren, wie zeitgenössische Filme den Prozess der Dekolonisierung thematisierten und darstellten, was in den einzelnen Mediensystemen in diesen Jahren zeig- und sagbar war und welches Skandalpotential das Kino beziehungsweise das Fernsehen bargen. Schließlich interessiert aus einer diachronen Perspektive, ob sich im 20. Jahrhundert bestimmte visuelle „Ikonen“ oder Narrative des Kolonialismus und der Dekolonisierung etablierten, auf die bei diesem Thema immer wieder zurückgegriffen wird und die möglicherweise bis in die Gegenwart unsere Sichtweisen auf das Ende der Kolonialherrschaft bestimmen.
- Trainer/in: Leonie Lilith Berndt
- Trainer/in: Jürgen Dinkel
- Trainer/in: Mathias Hack
Das Kolloquium richtet sich an alle, die im Bereich der Geschichte des 19. bis 21. Jahrhunderts ihre Abschlussarbeit (BA, MA oder Examen) schreiben. Es sollen die geplanten oder laufenden Arbeiten kurz vorgestellt und anschließend im Kreis aller Anwesenden diskutiert werden. Voraussetzung für die Benotung ist eine regelmäßige Teilnahme, die Vorstellung der eigenen Arbeit sowie konstruktive Rückmeldungen zu den Arbeiten der anderen Teilnehmer:innen. Ziel ist es, im Kreis von Abschlusskohorten möglichst nutzbringende Rückmeldungen zu geben und selbst zu erhalten. Details und den besten Zeitpunkt der Präsentation sprechen Sie bitte mit dem jeweiligen Seminarleiter ab.
- Trainer/in: Leonie Lilith Berndt
- Trainer/in: Jürgen Dinkel
Sollen nach Kolonialoffizieren benannte Straßen umbenannt werden? Sollen während der Kolonialzeit geraubte Objekte aus deutschen Museumssammlungen an ihre Herkunftsgesellschaften zurückgegeben werden, wie sind einzelne Kolonialverbrechen wie der Krieg gegen die Herero und Nama zu bewerten und wie kann man die Nachfahren der Opfer angemessen entschädigen? Deutschlands koloniale Vergangenheit bewegt zunehmend zivilgesellschaftliche und postkoloniale Initiativen, Politiker:innen und Historiker:innen.
Diese Debatten aufgreifend wird die Vorlesung einen Überblick über die Geschichte des deutschen Kolonialismus und der Kolonialkritik in den verschiedenen politischen Systemen Deutschlands vom Kaiserreich bis in die Gegenwart bieten. Dabei werden verschiedene Akteure, Argumente und Traditionen der Kritik herausgearbeitet, es wird aufgezeigt, mit welchen politischen Projekten sich die Kritik am Kolonialismus verband und mit welchen Strategien Kolonialkritiker ihre Ziele zu erreichen versuchten. Auf übergeordneter Ebene werden wir diskutieren, in welchem Verhältnis Entkolonialisierung und Demokratisierung und damit zwei für die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts prägende Großprozesse zueinander standen. Inwiefern haben Kolonialkritiker zur Liberalisierung und Demokratisierung der deutschen Gesellschaft beigetragen und in welchen Kontexten und mit welchen Argumenten haben sie sich mit illiberalen und diktatorischen Projekten verbunden?
- Trainer/in: Leonie Lilith Berndt
- Trainer/in: Jürgen Dinkel