Gelesen wird eine Auswahl der anti-averroistischen Traktate des Ramon Llull, die während seines letzten Aufenthalts in Paris von 1309 bis 1311 entstanden sind (Op. 168, 171, 172, 174, 175, 164, 188, 188a). Diese Auseinandersetzung Ramon Llulls mit Averroes und den sogenannten Pariser Averroisten ist in mehrfacher Hinsicht von besonderer systematischer wie geistesgeschichtlicher Relevanz: Zum einen ist die Kritik am Averroismus als einer vermeintlich durch islamische Anleihen verzerrten Form von Philosophie ein wichtiges Moment in Llulls allgemeiner Auseinandersetzung mit dem Islam. Zugleich sind diese Schriften eine Anwendung seiner Ars und tragen zu deren Erschließung bei: Sie verhandeln die Reichweite der Vernunft sowohl im Hinblick auf ihre universelle Geltung als auch im Hinblick auf ihre Abhängigkeit bzw. Unabhängigkeit von der Sinnlichkeit. Dabei erörtern sie auch die Stellung von Vernunft und Philosophie zum Glauben. In geistesgeschichtlicher Perspektive sind sie schließlich ein wesentlicher Teil der Konstruktion bzw. Bestimmung des sogenannten lateinischen Averroismus. Die Texte werden in deutscher Übersetzung bereitgestellt.
- Trainer/in: Stefan Schick